Öffentlicher Bücherschrank: Hamburg hat nur 2?

Es gibt wichtigere Nachhaltigkeitsprojekte als das Thema “Wie werde ich meine Bücher nachhaltig wieder los”, aber ich dachte mir, Leseratten wie ich haben da durchaus Bedarf.
Das wichtige vorweg: ich finde, es gibt zu wenig öffentliche Bücherschränke in Hamburg und ich frage mich: was kann man tun, um einen öffentlichen Bücherschrank in seinem eigenen Stadtteil zu bekommen?

Geht es euch auch so? Bücher, die ich nicht mehr haben will, werfe ich auf keinen Fall einfach so weg. Mein Schwiegervater macht das mit Taschenbüchern, die er ausgelesen hat. Das hat mich einerseits schockiert, als ich es mit eigenen Augen gesehen habe (schwups war das Buch in meinem RESTMÜLL-Eimer verschwunden – mir fehlten die Worte), andererseits hat es mir imponiert (diese Leichtigkeit des Seins), denn bei mir stapeln sich die Bücher leider nicht nur in, sondern auch um die Regale herum bzw. in der ganzen Wohnung.

Meine 1. Tat: Bücher auf dem Flohmarkt verkaufen
Ich bin kein Flohmarktmensch und mache alle 20 Jahre mal mit. Aber ich muss sagen: es war ein Erlebnis, wie eine Lingustik-Studentin mir meine uralten, aber noch aktuellen Linguistik-Bücher abgekauft hat. Ich fühlte mich gut, weil ich Menschen eine Freude machen konnte.
Die Besucher des Flohmarktes auf dem Marie-Jonas-Platz in Eppendorf sind übrigens  echt o.k. Vor vielen Jahren auf dem Flohmarkt im Nedderfeld habe ich schlimmere Gestalten gesehen. Das Wetter war allerdings nicht o.k., was auch ein Grund dafür ist, dass ich erst in 20 Jahren wieder auf einem Flohmarkt verkaufen werde.

Meine 2. Tat: Bücher an momox.de verkaufen
Also, man bekommt mehr Geld für gebrauchte Bücher, wenn man sich die Mühe macht, diese einzeln z.B. bei Amazon (kennt jemand Alternativen?) einzustellen, aber das finde ich persönlich mühselig, und man weiß ja auch nie, ob sich jemand für das Buch interessiert, und ob man es überhaupt jemals loswird.
Meine Erfahrung mit momox: Geld kann man bei momox nicht wirklich verdienen und die meisten meiner Bücher wollte momox nicht. Von den Büchern, die ich dann an momox verschicken durfte, wurden auch noch etliche abgelehnt, weil sie nicht den Richtlinien entsprachen. Diese konnte ich dann aber unentgeldlich von momox entsorgen lassen und war sie schließlich und endgültig los, was ja auch eines meiner Ziele war; trotzdem unbefriedigend. Wer eine bessere Adresse als momox.de weiß, her damit!

Meine 3. Tat: Bücher auf den Altpapier-Container legen
Ein paar Mainstream-Taschenbücher und Kinderbücher habe ich probeweise auf einen nahe gelegenen Altpapier-Container gelegt in einer Klarsicht-Folie. Ich habe dort ab und zu schon Bücher gesehen, und meine Hoffnung war, dass sie interessierte Leser finden. Meine Bücher waren jedenfalls sofort weg, aber das restliche Altpapier auch – ich nehme an, das waren die Mitarbeiter der Stadtreinigung, denen der Unterschied zwischen Papier in und auf dem Altpapier-Container schnurz ist. Mach ich nicht noch einmal!

Meine 4. Tat: Bücher zum öffentlichen Bücherschrank bringen
Letzte Woche bin ich los und habe die letzten Bücher, die ich nicht auf dem Flohmarkt und bei momox losgeworden bin, zum offenen Bücherschrank auf dem Kirchplatz der St. Markuskirche in Hamburg-Hoheluft getragen. Ich hatte nicht viel Zeit zum Gucken, aber auf Anhieb war das Angebot nicht gerade der  Brüller. Die Regale sind teilweise gekennzeichnet, sodass man seine Bücher in verschiedene Kategorien einsortieren kann (Kinderbücher, fremdsprachige Literatur, Fachbücher, etc.). Daran hält sich aber offensichtlich nicht jeder. Insgesamt macht der Bücherschrank einen ganz guten Eindruck. Sicherlich braucht es einen Bücherpaten, der sich regelmäßig um den öffentlichen Bücherschrank kümmert. Ich werde demnächst mal wieder vorbeischauen, vielleicht hat sich ja auch schon jemand eines meiner Bücher genommen.

Hier eine Liste (sehr wahrscheinlich unvollständig) der öffentlichen Bücherschränke in Deutschland:
Liste öffentlicher Bücherschränke auf Wikipedia

In Hamburg gibt es neben dem öffentlichen Bücherschrank der St. Markuskirche nur noch einem am Alsterdorfer Damm auf der Brücke über die Alster.

Meine 5. Tat: Gute Bücher in’s Regal, der Rest auf den E-Reader

  • Gute Bücher kaufe ich weiterhin und horte sie in meinen Bücherregalen. Demnächst muss ich dann wohl doch ein neues Bücherregal kaufen, aber wohin damit? Ich träume von einer Wohnung mit einem Zimmer nur für mich bzw. meine Bücher…
  • Krimis und andere Bücher, die ich nicht unbedingt offline um mich haben muss, werde ich mir auf meinen eBook-Reader laden. Den hat mir mein Mann vor 2 Jahren zu Weihnachten geschenkt und ich gebe zu, bisher habe ich ihn nicht oft benutzt. Habe ich es schon erwähnt? Ich liebe Bücher!
  • Ich werde auf jeden Fall regelmäßig Bücher in den öffentlichen Bücherschrank auf dem Kirchplatz der St. Markuskirche legen.
  • Ich will mich engagieren für weitere öffentliche Bücherschränke in Hamburg.
Dieser Beitrag wurde unter Hamburg, Kollektiver Konsum veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Öffentlicher Bücherschrank: Hamburg hat nur 2?

  1. Amhran sagt:

    Sustine, auch wenn dieser Blogbeitrag schon etwas älter ist – es gibt vermutlich mehr als zwei öffentliche Büchertauschquellen in Hamburg. Hier ist eine entsprechende Liste – ob die so noch aktuell ist, weiß ich leider nicht:
    http://www.tauschgnom.de/offene-buecherschraenke?fi=2:0:Deutschland&fi=3:0:Hamburg

    ich persönlich empfehle immer gern Bookcrossing (siehe http://www.bookcrossing.com, das ist eine Art internationaler, freier und kostenloser Bücherclub). Auf diese Weise kann man, z.B. durch Büchertauschtreffen, Bücher selbst weitergeben und auch gratis bekommen. Die mir persönlich bekannten öffentlichen Bücherregale in Hamburg sind denn auch Bookcrossing-Regale

    Entsprechende Regale gibt es z.B. im Café Smögen
    http://www.cafe-smoegen.de/kontakt-anfahrt.html

    in der Alsterbar des CVJM
    http://www.cvjm-hamburg.de/index.php?topic=CVJM-Hamburg&sub=alsterbar

    und in der Kneipe “Zum Tanzenden Einhorn” (im Uni-Viertel) liegen auch regelmäßig Bücher aus, manchmal auch versteckt hinten auf dem Schrank mit den Spielen.
    http://www.zum-tanzenden-einhorn.de/about/bookcrossing-im-einhorn/

    Hier ist außerdem eine Liste mit weiteren Orten mit Bookcrossing Regalen in Hamburg:
    http://www.bookcrossers.de/pages/obczliste.php#HHH

    Diese sogenannten “offiziellen Bookcrossing Zonen” (OBCZ) werden übrigens auch immer wieder gern von Bookcrossern besucht, um dort Büchertauschtreffen abzuhalten.

    Liebe Grüße,
    Amhran

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>