Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit, was ist das eigentlich? Um Ordnung in meine Gedanken zu bringen, muss ich mir den Begriff “Nachhaltigkeit” erarbeiten. Wie wird Nachhaltigkeit allgemein definiert und was bedeutet Nachhaltigkeit dann ganz konkret fĂĽr mein Leben? Mein Ausgangspunkt ist die Definition bei Wikipedia:

Nachhaltigkeit – so fing alles an

Im übertragenen, ursprünglich forstwirtschaftlichen Sinn war Nachhaltigkeit ein forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann.
Das leuchtet sofort ein.

Eine verallgemeinerte Nutzung des Begriffes Nachhaltigkeit im Sinne eines langfristig angelegten verantwortungsbewussten Umgangs mit einer Ressource findet man bei Hans Carl von Carlowitz 1713 (Silvicultura oeconomica). Nun ist also der Boden bereitet fĂĽr eine weitergehende Begriffsdefinition:

Nachhaltigkeit als ZielbĂĽndel

Auf der UN Konferenz fĂĽr Umwelt und Entwicklung 1992 wurde folgendes Begriffsverständnis von “Nachhaltigkeit” entwickelt:
dauerhaft stabile Gesellschaften seien zu erreichen, indem ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht gegeneinander ausgespielt, sondern gleichrangig angestrebt würden. Dieses Begriffsverständnis von Nachhaltigkeit enthält außerdem den Anspruch, dass diese Ziele für alle Länder der Welt (globale Gerechtigkeit) und für künftige Generationen (Generationengerechtigkeit) gelten.
Das ist in der Tat ein heeres Ziel bzw. Zielbündel und vor allem, wie lässt sich so ein Ziel erreichen?

Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages stammt das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung (1994) mit den drei Komponenten:

  • ökologische Nachhaltigkeit
  • ökonomische Nachhaltigkeit
  • soziale Nachhaltigkeit

Dieses Modell wird stark kritisiert, insbesondere weil es sich schlecht operationalisieren lasse und sich aus ihm kaum praktische Konsequenzen ableiten ließen. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) sprach in seinem Gutachten 2002 dem Drei-Säulen-Modell die Orientierungsfunktion ab, weil es zu einem dreispaltigen Wunschzettel verkomme, in das jeder Akteur seine Anliegen eintragen könne. Weitere Kritikpunkte sind die unklare Gewichtung in der Zielsetzung und die fehlende globale Dimension.

Integrierte Nachhaltigkeits-Ansätze

Integrierendes_NachhaltigkeitsdreieckTrotz Kritik am Drei-Säulen-Modell setzte sich bisher kein anderes Modell durch. Aktuell wird ein integrierter Ansatz verfolgt, der Abschied von den drei isolierten Säulen nimmt. Stattdessen sind die Säulen als Dimensionen aufzufassen, denen Nachhaltigkeitsaspekte kontinuierlich zugeordnet werden können.

Nachhaltigkeit in der Praxis

Ein anschauliches Beispiel für die praktische Umsetzung des Drei-Säulen-Modells, soll das regional in Nürnberg gestartete Portal des Vereins Bluepingu e. V., Nürnberg sein. Über das vom Verein betriebene Internetportal hat man die Möglichkeit, sich über den bewussten Einkauf mit einem integrierten Regionallotsen informieren, sowie zahlreiche Kontakt- und Mitwirkungsmöglichkeiten im Bereich der ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit zu bekommen. Bluepingu bezeichnet sich selbst als „Nachhaltigkeitskompass“.

Klasse, da werde ich demnächst mal vorbeischauen und berichten. Vielleicht kann man ja so etwas auch in anderen Bundesländern starten oder vielleicht gibt es schon weitere solcher Portale, die sich einem speziellen Nachhaltigkeits-Modell verschrieben haben und es praktisch umzusetzen versuchen?

Nachhaltigkeit in meinem Alltag

Mein Fazit nach soviel Theorie: Natürlich habe ich mir Stand heute nur einen ersten Grundstein legen können, zur Orientierung, und ich gebe zu, ich bin verwirrt!

Mein Leben in einer globalen, komplexen Welt macht es mir schwer, zu durchschauen, wie ich mich RICHTIG nachhaltig verhalte, so dass alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit optimal ineinanderspielen, und ich im integrierenden Nachhaltigkeitsdreieck genau in der Mitte lande, nämlich bei einem sozial-ökologisch-ökonomisch ausgewogenen Verhalten. Ich weiß Stand heute noch nicht einmal, ob es wirklich sinnvoll ist, in der Mitte zu landen.

Wie immer im Leben gibt es unterschiedliche Sichtweisen bzw. Betrachtungen  der Nachhaltigkeits-Dimensionen, die ich erst einmal verstehen muss. Diese werden mich zu unterschiedlichen Vorstellungen darĂĽber fĂĽhren, welches (eigene) Verhalten zu einer nachhaltigen Entwicklung fĂĽhren kann. Ich kann einzelne Sichtweisen als richtig oder falsch einstufen, mindestens aber muss ich mich bewusst fĂĽr “meinen persönlichen Nachhaltigkeits-Weg” entscheiden.

Fange ich also noch einmal am Anfang an. Von Carlowitz definierte Nachhaltigkeit als “langfristig angelegten verantwortungsbewussten Umgang mit einer Ressource”.  Eine Ressource – sagt Wikipedia -  ist “ein Mittel, um eine Handlung zu tätigen oder einen Vorgang ablaufen zu lassen. Eine Ressource kann ein materielles oder immaterielles Gut sein. Meist werden darunter Betriebsmittel, Geldmittel, Boden, Rohstoffe, Energie oder Personen und (Arbeits-) Zeit verstanden, in der Psychologie auch Fähigkeiten, Charaktereigenschaften oder eine geistige Haltung, in der Soziologie auch Bildung, Gesundheit und Prestige.”

Spontan erkenne ich, dass natĂĽrlich auch ich eine Ressource bin, mit der ich sorgfältig umgehen sollte. Nachhaltigkeit hat fĂĽr mich deshalb, neben dem verantwortungsbewussten Umgang mit meiner natĂĽrlichen, sozialen und kulturellen Umwelt auf diesem Planeten Erde, auch ganz konkret mit dem verantwortungsbewussten Umgang mit meinem Körper, meinem Geist und – wenn wir schon mal dabei sind – meiner Seele zu tun.

Bei sich selber anzufangen und zu versuchen, integrativ zu sein – damit meine ich: verschiedene Perspektiven zu (be)achten, das hieraus resultierende Wissen zu nutzen und zu einem bestimmten Zweck zu integrieren. Das kann ein nachhaltiger Anfang werden.

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“
Mahatma Gandhi
Baumscheibe

 

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