Kleiderspende in Hamburg

Wie gestalte ich eine Kleiderspende in HH nachhaltig? Das war meine Fragestellung für die letzte Woche. Hier nun mein Bericht, etwas verspätet, weil ich auf Feedback von einigen Organisationen gewartet habe.

Kleiderspende bei alsterarbeit Hamburg

In meinem letzten Beitrag zur Altkleidersammlung hatte ich ja bereits geschrieben, dass ich meine Altkleider der Evangelischen Stiftung Alsterdorf spende: Sachspenden Alsterdorf. Auf der Website alsterarbeit.de gibt es detaillierte Informationen zur alstermarkt Sachspendensortierung. alsterarbeit ist eine gemeinnĂĽtzige GmbH, im Verbund der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Auf der Ăśber-Uns-Seite liest man:

alsterarbeit steht allen Menschen mit Handicaps offen, unabhängig von Art und Schwere ihrer Handicaps. Im Jahr 2000 haben sich die Alsterdorfer Werkstätten und die Tagesförderstätten zu dem Beschäftigungsträger alsterarbeit zusammengeschlossen. Der Zusammenschluss wird ergänzt durch Integrationsbetriebe, die Beschäftigungsangebote nah am oder im ersten Arbeitmarkt anbieten. Unsere Betriebsstätten sind mehr als nur Produktions- und Fertigungsstätten. Denn wir fördern und qualifizieren unsere Beschäftigten nach ihren Fähigkeiten und BedĂĽrfnissen.”

Doch fangen wir bei A an. Was war das Altkleid, bevor es Altkleid wurde? Richtig, es war ein Neukleid! Wenn ich mich schon gut dabei fühle, meine Altkleider zu spenden, nur um dann direkt wieder neue Fast-Fashion zu shoppen, die kurze Zeit später wiederum zum  Schrankhüter wird, habe ich definitiv nicht verstanden, worum es bei der Nachhaltigkeit geht. Deshalb habe ich das folgende Gebot an die erste Stelle meiner Alt-Kleiderordnung gesetzt:

1. Altkleider-Gebot: Kleidung seltener und bewusster shoppen

Slow-Fashion statt Fast-Fashion lautet die neue Devise. Unter dem Begriff Slow Fashion versteht man nachhaltige, entschleunigte, bewusste, qualitativ hochwertige Mode, die im Gegensatz zur schnellebigen Massenware steht. Hier findet man mehr Infos zu diesem Thema:
Slowfashion – Nachhaltigkeit in der Modebranche

Ich jedenfalls hoffe auf den Tag, an dem es cool sein wird, Slow-Fashion-Victim zu sein! Eine Liste von Slow-Fashion Shops in Hamburg steht dann wohl bald an…

2. Altkleider-Gebot: die Kleiderspende ist keine MĂĽllentsorgung

Wenn ich meinen Altkleider-MĂĽll zu einer angeblich wohltätigen Kleiderspende mache, bin ich schlicht und einfach asozial! Verschmutzte, nasse, beschädigte Kleidung und stark abgetragene oder einzelne Schuhe sowie texilfremde Stoffe gehören NICHT in eine Kleiderspende, sondern …?

“75 Prozent ist MĂĽll”, sagt Markus Tieseler, der Verantwortliche fĂĽr alle Kleiderkammern des DRK in Hamburg: Der Altkleiderirrsinn – Entsorgung statt Spende

Wann sind Altkleider Müll und gehören nicht in die Kleiderspende?

Ich bin mir zwar sicher, dass ich keinen MĂĽll in die Kleiderspende geben wollte, frage mich aber, ob tatsächlich nichts von dem, was ich an Altkleidern bisher gespendet habe, als AltkleidermĂĽll eingeordnet wurde?  Zumindest schlieĂźe ich nicht aus, dass meine bisherigen Kleiderspenden auch Altkleider mit Flecken oder kleineren Blessuren enthielten oder zumindest nicht frisch gewaschen waren… , u.a. darum, weil ich bisher gedacht habe, dass die Altkleider evtl. bearbeitet werden.

Mir selbst wurde von einer Mitarbeiterin von alsterarbeit in Hamburg zugetragen, dass alsterarbeit gar nicht immer die Zeit bzw. die Möglichkeit dazu hat, Altkleidung zu waschen oder zu reparieren und teilweise wirklich so viel Schrott gespendet bekommt, dass ihr gar nichts anders übrig bleibt, als mit Textilrecycling-Firmen zusammenzuarbeiten, z.B. der FWS GmbH in Bremen. Was die FWS über sich selbst schreibt, klingt auf den ersten Blick für mich gut: FWS-Selbstverpflichtung. Außerdem arbeitet die FWS mit einigen Hilfsorganisationen wie dem DRK, dem Malteser Hilfsdienst oder der Caritas zusammen.

Logisch, wie soll man mit dieser Masse von nicht mehr tragfähiger Kleidung auch anders fertig werden? Ich finde es nicht schlimm, dass eine seriöse Organisation durch den Verkauf nicht tragfähiger Altkleider an Textilrecycling-Firmen Geld verdient. Schlimm finde ich, dass wir Verbraucher solche Massen an Altkleider-Müll produzieren!

Ich bin kurze Zeit verunsichert, entscheide mich jetzt aber für die Zukunft 3 Altkleider-Säcke aufzumachen:

  1. Kleiderspende-Sack: Bei tragfähigen Altkleidern und Grenzfällen gehe ich den Weg der Kleiderspende und werfe meine Altkleider NICHT in den Müll. Auf diese Weise kann die jeweilige Organisation vor Ort evtl. einige meiner Grenzfälle als tragfähig einstufen oder immerhin noch durch Textilrecyling zu Geld machen.
  2.  Altkleider-Recycling-Sack: für eindeutig nicht mehr tragfähige Altkleider mache ich einen 2. Altkleidersack auf. Den gebe ich an seriöse Altkleidersammlungen, die seriöses Textilrecyling betreiben, denn: nicht mehr tragbare Kleidung kann immer noch zu Putzlappen oder Dämm- und Isolierstoffen (insbesondere für die Autoindustrie) weiterverarbeitetet werden. Diese Art von Altkleidersammlung reduziert meinen Hausmüll, dadurch wiederum schone ich die Umwelt.
  3. Altkleider-MĂĽllsack: stark verschmutze Kleidung, einzelne Schuhe oder Kunststoffdecken packe ich in einen 3. Altkleider-Sack und ab in den HausmĂĽll.

 

3. Altkleider-Gebot: Hände weg von illegalen Altkleider-Containern bzw. Altkleidersammlungen

Am 16. Dezember 2013 las man auf www.abendblatt.de die Schlagzeile: “400 illegale Sammelcontainer fĂĽr Altkleider in Hamburg”. Eine Liste solcher illegalen Altkleider-Container habe ich bisher leider nicht gefunden, ABER:
Wer Engagement zeigen will, kann bei Zweifeln an der Seriösität eines derzeit aktiven Sammlers von Kleiderspenden in Hamburg selbst aktiv werden: Todo-Liste bei dubiosen Sammlungen vom Dachverband FAIRwertung e.V.

Jedenfalls muss ich jetzt mal schauen, wem ich zukĂĽnftig meinen Altkleider-Recycling-Sack geben werde.

4. Altkleider-Gebot: Kleiderspende nur an seriöse Organisationen bzw. Second-Hand-Läden

Generell ist es für mich o.k., dass auch seriöse Organisationen mit Altkleidern Geld verdienen. Auch mit Altpapier und Altglas, dass wir in die entsprechenden Container werfen, wird Geld verdient! Ich denke, es kommt vielmehr darauf an, dass ich meine Altkleider einer Organisation spende, zu der ich Vertrauen gewonnen habe und deren Projekte ich fördern will. Das eingenommene Geld dient ja auch dazu, diese sinnvollen Projekte zu fördern! Wer sammelt und verwertet Kleiderspenden in Hamburg fair? Welche Alternativen zur klassischen Altkleidersammlung für Hamburg gibt es? Folgendes habe ich gefunden:

  1. Sozialkaufhäuser oder Kleiderkammern in der unmittelbaren Nähe sollen die erste Wahl sein bei der Kleiderspende. Diese Einrichtungen suchen immer gut erhaltene Kleidung, um sie kostenlos weiterzugeben oder zu sozialen Preisen zu verkaufen: Sozialkaufhäuser in Hamburg
  2. In der obigen Liste werden auch die Läden von Oxfam genannt, die gut erhaltene Kleidung direkt in ihren Läden verkaufen, um das Geld dann in Entwicklungshilfe-Projekte zu stecken. Hier gibt es detaillierte Infos zu den Kleiderspenden bzw. zu den Sachspenden wie Büchern, Schallplatten, etc., die in Oxfam-Shops angenommen werden: Oxfam Kleiderspenden. Hier die Links zu den beiden Shops in Hamburg:
    Oxfam Shop Hamburg-Hoheluft
    Oxfam Shop Hamburg-Wandsbek
  3. Wer sich unsicher ist, wo er seine Kleiderspende bzw. seine nicht mehr tragfähigen Altkleider abgeben soll, kann auf FairWertung-Standortabfrage eine Standortabfrage abschicken und erfährt dann per E-Mail, welche Organisationen in seiner Region Mitglied im Dachverband FairWertung sind. Soweit die Theorie! Am 23. Januar habe ich die Standortabfrage abgeschickt und konkret nach der Stiftung Alsterdorf (alsterarbeit) gefragt. Am 27. Januar kam dann eine erste Antwort, leider ohne eine Liste von Organisationen. Mir wurde nur mitgeteilt:
    “Die von Ihnen benannte Organisation ist nicht Mitglied im Dachverband FairWertung. Wir können daher keinerlei Aussagen zur Sammlung der genannten Stiftung machen. Dies muss nicht zwingend bedeuten, dass die Organisation unseriös ist oder nicht verantwortungsvoll mit Spenden umgeht. Der Dachverband FairWertung ist ein Zusammenschluss von gemeinnĂĽtzigen Organisationen, die Altkleiderspenden sammeln. FairWertung hat Standards fĂĽr eine transparente und verantwortungsvolle Sammlung erarbeitet. Die angeschlossenen Organisationen verpflichten sich auf die Einhaltung dieser Standards und möchten so den verantwortungsbewussten Umgang mit den textilen Spenden dokumentieren sowie eine Orientierungshilfe fĂĽr Verbraucherinnen und Verbraucher sein, die Ihre aussortierten KleidungsstĂĽcke fĂĽr soziale Zwecke spenden möchten.
    Vielleicht sprechen Sie die Stiftung Alsterdorf einmal auf uns an?!”

Das werde ich in der Tat tun: die alstermarkt Sachspendensortierung fragen, warum sie nicht Mitglied im Dachverband FairWertung ist. AuĂźerdem habe ich gestern, am 27. Januar, direkt in einer 2. E-Mail auf die Antwort von FairWertung geantwortet mit der Frage, welche Organisationen denn nun in meiner Region Mitglied im Dachverband FairWertung sind? Ich warte noch auf Antwort.

Nachhaltige Kleiderspende – die HintergrĂĽnde

Ganz wichtig bei der Kleiderspende finde ich, solche Organisationen zu meiden, die einen Altkleider-Handel mit Afrika betreiben, und auch die Kommunen machen meiner Meinung nach seriösen Organisationen Konkurrenz, in dem sie schlicht und einfach mit Altkleidern Geld machen wollen:

Textilrecyling: Altkleider-Handel mit Afrika

Kleiderspenden werden häufig an Textilrecycler verkauft, die einen Altkleider-Handel z.B. mit Afrika betreiben. Diese Art von Textilrecycling bzw. der Export von Altkleidern nach Afrika schadet nach Meinung vieler Entwicklungsorganisationen der in Afrika heimischen Textilindustrie.

Der Kampf um den Altkleidermarkt in Hamburg

Neben den vielen illegalen Altkleidersammlungen bzw. Altkleider-Containern will auch die Stadt Hamburg in das lukrative Geschäft mit den Altkleidern einsteigen. Im Juli 2013 konnte man auf dem Blog von altkleiderspenden.de nachlesen, dass von 1.000 Altkleidercontainern, die die Stadt Hamburg gerne in Hamburg aufgestellt hätte, allerdings nur 20 genehmigt wurden: Kommunale Altkleidersammlung in Hamburg.

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Eine Antwort auf Kleiderspende in Hamburg

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